Strategische Partnerschaften im Reich der Mitte
Vom 17. bis 21. November 2025 reiste Frederic Hadjari, Büroleiter des Softwareparks Hagenberg und Manager des IT-Clusters OÖ, nach Shanghai und Nantong. Im Fokus standen der Aufbau nachhaltiger Kooperationen, der Austausch mit führenden Technologiezentren und die Stärkung der internationalen Präsenz.
Den Auftakt bildete ein Gegenbesuch der University of Shanghai for Science and Technology (USST). Gemeinsam mit Director Chen Qi und Director Fan Zhengfei vom Party Committee wurde ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Diese Vereinbarung ebnet den Weg für zukünftige gemeinsame Forschungsprojekte und Wissenstransfer für Künstliche Intelligenz und Big Data. Die anschließende Besichtigung des Sino-German College unterstrich die internationale Ausrichtung der USST. USST ist mit über 20.000 Studierenden, davon 1.580 am Fachbereich Computer Engineering and Optical Engineering, einer der bedeutendsten Universitäten. Es ist die erste Kooperation der Universität mit einem österreichischen Techcenter. Frederic Hadjari ist überzeugt: „Die USSA sieht die FH OÖ als ebenbürtigen Player. Beide Seiten können von dieser Kooperation profitieren. Als Softwarepark Management werden wir die enge Zusammenarbeit zwischen den Bildungseinrichtungen unterstützen.“
Ein zentrales Thema der Reise war die Besichtigung des Shanghai Shibei Hi-Tech Parks. Trotz der enormen Größe und urbanen Lage in der Millionenstadt Shanghai, zeigten sich erstaunliche Parallelen zu unseren Herausforderungen in Hagenberg: die Suche nach exzellenten IT-Fachkräften und die Notwendigkeit eines lebendigen Netzwerks. Der Shibei Hi-Tech Park, spezialisiert auf Big Data, IT-Security und KI, beherbergt 3.000 Unternehmen und über 70 Start-ups. Konkret wurde vereinbart, die Zusammenarbeit bei Start-ups zu intensivieren. Österreichische Start-ups sollen 2026 an Wettbewerben in Shanghai teilnehmen können und ein Vernetzungstreffen in Österreich wird angestrebt.
Beim Besuch des National Innovation Centre par Excellence (NICE) in Pudong wurde deutlich, wie entscheidend staatliche Förderungen und die enge Kooperation zwischen Wirtschaft, Universitäten und F&E-Einrichtungen für die Innovationskraft sind. Dieses Modell, bei dem gezielt Ökosysteme für Spitzenforschung und deren kommerzielle Umsetzung geschaffen werden, zeigt Parallelen zu erfolgreichen Initiativen in Oberösterreich – wie der Business Upper Austria, die ebenfalls als Brückenbauerin mit Förderungen, Ansiedelungen und Netzwerkarbeit wesentlich zur Stärkung des Innovationsstandortes beiträgt.
Am 18. November 2025 besuchte Frederic Hadjari zwei weitere äußerst relevante Einrichtungen:
Die TU Hong Kong University Hangzhou Research Institute demonstrierte die Kraft eines fokussierten, anwendungsorientierten Forschungsökosystems der digitalen Wirtschaft. Das Institut unterstützt Start-ups mit Förderungen und stellt Themenschwerpunkte, starke Cluster und Netzwerke bereit. Große und namhafte Unternehmen wie Unitree Robotics, BrainCo und DeepSeek sind ebenfalls in Hangzhou beheimatet und suchen die Nähe zur TU Hong Kong.
„Für uns ist diese Partnerschaft besonders wertvoll, um zukünftig Zugang zu internationalen Ressourcen aus Hongkong und konkrete Industriekooperationen für Zukunftsthemen zu eröffnen“, sagt Frederic Hadjari. Bei diesem Treffen stellte er die zwei großen R&D-Zentren in Hagenberg vor: die Risc Software GmbH und das Software Competence Center Hagenberg (SCCH). Wenjun Pu, Managerin für strategische Beziehungen der TU Hong Kong University Hangzhou Research Institute, unterstrich, dass Hangzhou als eine der wenigen Großstädte in China derzeit so erfolgreich ist, weil über die letzten Jahre in den Megatrend Digitale Transformation investiert wurde und als Modell für die Volksrepublik China agiert.
Einen weiteren spannenden Perspektivwechsel bot der Gongshu District North Software Park. Er agiert wie ein eigener Bezirk in Hangzhou und verfügt neben Ausbildungszentren über ein Krankenhaus, eine Shoppingmall und unzähligen Restaurants und ist mit seinen in Summe 30.000 Unternehmen ein Gigant in der Stadt Hangzhou. Die Herausforderungen im Management, bei der Gewinnung von Firmen und Talenten und der Vernetzung von Start-ups sind oft sehr ähnlich, auch wenn der Maßstab ein anderer ist. Dieser Park stellt damit einen potenziellen direkten Partner für den operativen Austausch von Best Practices dar.
Den Abschluss der Reise bildete der Besuch im Nantong China Austria Su Tong Ecopark, wo das 10-jährige Bestehen des Verbindungsbüros Wien im Beisein der österreichischen Botschaft und vielen österreichischen Unternehmen, die in China und Nantong beheimatet sind, gefeiert wurde. Zwei Tech-Parks erwiesen sich als besonders relevant für uns.
Der Nantong Innovation Park: Ein Ökosystem, das gezielt Hightech-Startups fördert und durch seine enge Verzahnung von Forschung (u.a. mit der TU Hong Kong) und Industrie besticht.
Das Industrial Cluster im Nantong China Austria Su Tong Ecopark für intelligente Fertigung: Hier zeigten österreichische Weltmarktführer wie Stiwa (auch im Softwarepark Hagenberg mit einem Standort vertreten) und Starlim Sterner die erfolgreiche Praxis internationaler Zusammenarbeit.
„Diese Reise hat ein solides Fundament für künftige Zusammenarbeit gelegt. Die Unterzeichnung des MoU mit der USST und die konkreten Absprachen mit dem Shanghai Shibei Hi-Tech Park, aber auch mit der TU Hong Kong University Hangzhou Research Institute sind vielversprechende Ansätze. Jetzt gilt es, diese Kontakte mit Leben zu füllen. Ich freue mich schon darauf, unsere chinesischen Kooperationspartner 2026 zu einem Gegenbesuch in Hagenberg willkommen zu heißen. Auch wenn China sehr groß und die Summe an Firmen und Förderungen überwältigend ist können wir speziell als der Softwarepark Hagenberg mit unserem Know How – der Synergie zwischen Ausbildung, Forschung und Wirtschaft und unserer Schnelligkeit und unserer Effizienz punkten.“ Dies wird auch im Reich der Mitte wertschätzend wahrgenommen.
Frederic Hadjari
„Durch die Unterzeichnung haben wir die erste und wichtigste Hürde genommen. Die Tür steht nun weit offen. Der intensive Austausch der letzten Tage hat gezeigt, welches enorme Potenzial in einer Partnerschaft zwischen Hagenberg und Shanghai steckt.“ Wir sind sehr beeindruckt von der Geschichte und der Entwicklung des Softwareparks Hagenberg. Dies habe ich auch schon bei meinen 2 Besuchen im Softwarepark Hagenberg festgestellt.
Prof. Fan Guangyu von der TU Shanghai
Wir danken Herrn Edgar Maras vom Verbindungsbüro des Nantong Ecopark und Mag. Christian Fuchssteiner mit seinem Team vom AußenwirtschaftsCenter Shanghai der WKO für die hervorragende Unterstützung.